NachdenklichesIII 

 

Armer Bullterrier


„Liebes Herrchen!
Du hast mich im August letzten Jahres aus dem Tierheim Süderstraße. in
Hamburg geholt .Ich war dort abgegeben worden, weil mein damaliges Frauchen
und ich auf offener Strasse beinahe gesteinigt worden wären. Aber sehr lange
musste ich nicht warten, dann hatte ich bei Dir und meinem neuen Frauchen
ein neues zu Hause in Breitenburg gefunden. Was war ich froh! Ein riesiger
Garten, und viele lange Spaziergänge.

So etwas kannte ich ja gar nicht in meinem Alter von nicht einmal einem
Jahr. Wir haben uns prima verstanden. Und wie herrlich war es, mit dem
Nachbarshund Asko herumzutollen! Nur mit dem Wörtchen “komm“ hatte ich noch
so meine Probleme. Und solange ich dies nicht richtig begriffen hatte,
musste ich immer an die Leine wenn wir den Garten verließen.

Am Dienstag war Frühlingsanfang mit besten Wetter. Bei Sonnenschein und
Schnee fuhren wir ins Mohr, um einen schönen Spatziergang zu machen. Und da
passierte es: Ich bin Dir aus dem Auto gesprungen, bevor Du mir eine Leine
an mein Geschirr machen konntest. Das habe ich natürlich sofort ausgenutzt
und bin glücklich weit über die Wiesen gerannt. Endlich einmal ohne Leine so
richtig drauflos rennen - weit und breit kein Mensch oder Tier!

Aber so dumm wie ich war, bin ich immer weiter von Dir weggerannt, ohne auf
Dein Pfeifen und Rufen zu achten, bis ich nicht mehr zu sehen war. Du hast
dann eineinhalb Stunden auf einem Fleck gestanden, weil Du dachtest, ich
würde wieder an den Ort zurück kommen, wo ich Dich verlassen hatte. Später
bist Du mir nachgelaufen, um meine Spur im Schnee zu verfolgen und mich
vielleicht so doch noch zu finden. Aber wir haben uns nicht mehr treffen
können, denn Du bist in die falsche Richtung gelaufen.

Ich aber war inzwischen an einem Bauernhof angekommen. Dort roch es nach so
vielen unbekannten Düften! Ein großer schwarzer Schäferhund war da. Und im
Stall standen viele Kühe. Das war ja was für mich! Die Kühe waren sehr
aufgeregt als sie mich sahen, aber ich habe ihnen nichts getan. Ich kannte
ja die Kühe von der Weide bei uns nebenan, das waren meine Freunde.

Der Bauer und sein Sohn hatten mich entdeckt. Ich habe mir nichts dabei
gedacht, als sie näher kamen. Ich hatte auch überhaupt keine Angst und
nichts Böses getan. Und dann ging alles ganz schnell: Der ältere hatte ein
Eisenrohr in der Hand, und als er damit zuschlug, explodierte etwas in
meinem Kopf .Immer wieder holte er aus und wollte nicht damit aufhören. Dann
wurde ich in eine alte Karre geschmissen und kam vor die Tür in die Kälte.

Ich war immer noch nicht tot, aber niemand kümmerte sich mehr um mich. Ich
war nicht mehr in der Lage mich zu bewegen, mein Schädel war zertrümmert,
und ich blutete sehr stark. Mir war bitterkalt in der Pfütze aus Wasser und
Blut. Ich weiß nicht, wie lange ich dort so gelegen habe. Aber irgendwann
hörte ich deine Stimme! Du warst noch immer auf der Suche nach mir und dabei
auf diesen Bauernhof gekommen. Der Bauer zeigte Dir, wo ich lag. Wir fuhren
so schnell wie möglich zu unserem Tierarzt, aber es war alles zu spät. Jetzt
bin ich im Hundehimmel und vermisse euch alle so sehr!“


„Hey,Herrchen wie geht es Dir?“

„Meine liebe Faya
ich habe solange nach Dir gesucht! Ich mache mir solche Vorwürfe, dass ich
nicht gut genug auf Dich aufgepasst habe! Warum nur bist Du nicht zurück
gekommen? Du musst meine Rufe und die Hundepfeife immer wieder gehört haben.
Man hört im Moor meilenweit. Ich kann verstehen, dass Du einmal so richtig
auf Entdeckungstour wolltest, aber du bist bei den falschen Menschen
gelandet .Diese waren brutale Schläger ohne Herz, doch woher solltest Du das
wissen?Sie haben Dich regelrecht hingerichtet. Frauchen und ich hatten mit
Dir drei Hündinnen Deiner Rasse und immer nur gute Erfahrung gemacht. Du
hattest sogar einen Wesenstest mit „sehr gut“ bestanden und warst damit
sogar im Fernsehn.Du hast Dich in kürzester Zeit in unsere Herzen
geschlichen. Du warst die beste von allen, aber wir hatten Dich nur ein paar
Monate bei uns. Du fragst wie es mir geht?

BESCHISSEN OHNE DICH!“
 


Hunde denken anders


Warum stört die Menschen mein Bellen. Ich finde es gemein dass sich die
Leute bei meinem Frauchen beschweren. Manchmal ist auch sie böse mit mir.
Ich kann doch auch nichts dafür, dass ich so ein lautes Organ habe.
Und der Hund hinter der Hecke bellt doch auch.
Ich unterhalte mich mit ihm, obwohl ich ihn noch nie gesehen habe.
Dafür telefonieren die Menschen stundenlang.
Hinter dem Maschenzaun sitzt eine Katze und putzt sich auffallend ruhig ihr
Fell.
Obwohl ich zu ihr hinüberschaue beachtet sie mich nicht, sie ignoriert mich.

Soll ich mir das gefallen lassen? Ich nicht. Ich bin zornig und belle.
Es wäre mir viel lieber sie würde mich anfauchen, als so zu tun, als wäre
ich nicht da.
Mein Haus steht neben einem Hotel und es kommen viele Gäste mit Hund.
Die parken dicht an meinem Gartenzaun. Es sind wunderschöne Hundedamen
dabei.
Soll ich mich da nicht auf meine Hinterbeine stellen und guten Tag sagen,
und auch noch tierisch gebellte Komplimente rüberbringen.
Jetzt kommt schon wieder der Briefträger. Jedes mal ist mein Frauchen sauer
über die dummen Briefe. Sie sagt des öfteren, dass sie nicht mehr weiß wo
sie das viele Geld hernehmen soll, um das alles zu bezahlen. Ob ich den mal
beisse? Vorerst belle ich ihn an. Dann kommt er vielleicht nicht mehr.
Das ist sicher der Grund warum Hunde die Briefträger nicht mögen.
Wenn meinem Frauchen das Geld nicht mehr reicht, kann sie mir kein Futter
kaufen. Warum ist Frauchen so altmodisch und zieht sich immer zwei gleiche
Schuhe an, es wäre doch viel toller zwei verschiedene. Also muss einer weg.
Erst ein wenig daran beissen und dann im Gebüsch verstecken. Da liegt ein
Karton, auf der Treppe, den werde ich erst mal kleinbeissen, dann passt er
leichter in die Tonne.
Oh, da sind Schuhe im Karton,
Da müssen die Bänder raus, die sind altmodisch. Und ich kann prima damit
spielen. Der Rasen in meinem Garten ist so langweilig grün, den müsste man
ein wenig aufpepen. Vielleicht mit einer Kloorolle.
Das macht Spass.
Jetzt kommt mein Frauchen vom Einkauf zurück und ich freu mich wie ein
Weltmeister. Sie schlägt die Hände über den Kopf und ruft, ja wie sieht es
denn hier aus?
Wo sind meine Schuhe, und die Schuhbänder und die vielen Fetzen und das
Kloopapier ist abgerollt, warum machst du das?.
Was sagt sie da? Ich wäre ein blöder Hund. Aber ich habs doch nur gut
gemeint.
 


Der verkannte Rottweiler


Beim Anblick eines Rottweilers kann es einem ziemlich mulmig werden. Mit dem
massigen Kopf und dem sehr muskulösen Körper stellt diese Hunderasse für
viele Menschen ein Sinnbild der ständigen "Kampfbereitschaft" dar. In einem
ganz anderen Licht sieht man den kurzbeinigen Dackel. Der kann auch mal
"giftig" werden, doch schon allein wegen seiner mangelnden Größe sieht man
in ihm keine Gefahr. Dass aber ein Dackel einem Rottweiler gefährlich werden
kann, dieser Gedanke erscheint absurd. Vor einiger Zeit hat sich solch ein
Fall ereignet, der für den Rottweiler beinahe fatale Folgen gehabt hätte.

Ein Dackel und ein Rottweiler lebten gesellig vereint auf einem Anwesen, das
einem Bauernhof sehr ähnlich war. Der Besitzer der beiden freute sich immer
wieder über das freundschaftliche Verhältnis, das die äußerlich sehr
unterschiedlichen Hunde miteinander verband. Gemeinsam tobten sie über den
gepflasterten Innenhof oder spielten im weiträumigen Garten, wo sie tun und
lassen durften, was sie wollten. Selbst wenn sie Löcher zwischen den
Tomatenpflanzen in die Erde buddelten, wurde ihnen das nicht übel genommen.
Der Dackel glich seine geringe Größe durch eine "freche Schnauze" aus. Sein
helles Kläffen war ständig zu hören, wenn er mit seinem kräftigeren
Artgenossen herum tollte. Fast alles unternahmen die beiden gemeinsam.
Selbst beim "Futterfassen" waren sie kaum zu trennen. Gefressen wurde aus
einem großen Napf, wobei sich der Dackel als echter Filou herausstellte. Die
dicksten Brocken stibitzte er weg, bevor sein Kumpan überhaupt zum Zuge kam.
Nur eine Sache ließ sich der Rottweiler nicht nehmen: Beim Schlafen wollte
er Ruhe vor seinem kleinen Freund haben. Deshalb hatte Herrchen eine
überdimensionale Hütte in den Hof gestellt, in der sich der Große zur Ruhe
begeben konnte. Der Dackel hingegen schlief im Haus.

Auf dem Anwesen gab es noch andere, frei umherlaufende Tiere, wie Hühner und
Enten. Ja, sogar zwei Truthähne kratzten glucksend im Garten herum. Eines
morgens fiel dem Besitzer auf, dass sein Hahn, ein prächtiges Tier, nicht
krähte. Sofort begann der Mann dem Federvieh nachzuspüren, doch die lange
Suche nach dem Vogel blieb erfolglos, er war verschwunden.

Im Laufe des Tages erkannte der Mann, dass einige Hühnerfedern im
Eingangsbereich der Hundehütte lagen. Er schaute nach und konnte nicht
fassen was er im Innern entdeckte. Dort lag der Hahn, tot, von Hundezähnen
gemordet. Der Rottweiler wurde heftig ausgeschimpft. Ohne sich zu regen saß
er vor seinem Herrn und ließ die Gardinenpredigt über sich ergehen. Sollte
das ein einmaliger Fall bleiben, wollte der Mann seinem Hund gnädig
verzeihen.

Am nächsten Morgen hegte der Hundebesitzer ernsthafte Zweifel an der
Lauterkeit des Rottweilers, denn nun fehlte ein Huhn, das gemeuchelt in der
Hütte gefunden wurde. Dem Mann taten diese Vorfälle in der Seele weh, wusste
er doch, dass der Hund das Anwesen verlassen musste, weil das Leben der
anderen Tiere in ständiger Gefahr war. Schweren Herzens gab er den "Killer"
einem befreundeten Ehepaar, die sich um ihn kümmern wollten, bis eine neue
Bleibe gefunden worden war. Der Dackel hatte nun keinen Spielkameraden mehr.
Die Einsamkeit machte ihn sichtlich traurig. Mit hängendem Kopf schlich er
im Hof umher, schnüffelte an der Hütte seines ehemaligen Gefährten und auch
vom Futter wollte er kaum mehr etwas wissen. Dieses Bild des Jammers änderte
sich ein paar Tage später. Der Dackel wurde wieder aktiv und buddelte allein
im Garten herum.

Leider fand der Hundebesitzer keinen dauerhaften Platz für den Rottweiler.
Die freundlichen Menschen, die das Tier aufgenommen hatten, konnten sich
nicht länger um den großen Hund kümmern. Guter Rat war teuer und es schien
nur noch einen Weg aus der verfahrenen Situation zu geben. Der Rottweiler
musste in einem Tierheim untergebracht werden. Der Gedanke daran ließ den
Mann sehr traurig werden, deshalb beschloss er den unausweichlichen Termin
noch einige Tage vor sich herzuschieben.

Doch dann kam die große Überraschung. Der Mann traute seinen Augen nicht. Er
erwischte den kleinen Dackel, als er ein totes Huhn aus dem Garten zerrte
und in die Hundehütte legte. Sprachlos über die Dreistigkeit des Tieres, das
es geschafft hatte seinen Herrn dermaßen in die Irre zu führen, setzte sich
der Mann ins Auto und holte seinen Rottweiler Heim. Um den Irrtum
auszubügeln verwöhnte er ihn über alle Maßen. Von den Hühnern war nur noch
eines am leben, das im Suppentopf endete damit wieder Frieden auf dem
Anwesen einkehren konnte. Die Truthähne wurden von dem Dackel verschont.

Dem Herrchen der ungleichen Hunde war sein falsches Handeln peinlich, denn
er hatte durch den vorschnellen Verdacht beinahe einen Fehler mit schlimmen
Folgen begangen. Er nahm sich für die Zukunft vor, nicht gleich den großen,
kräftigen als Bösewicht abzutun, sondern auch auf den kleinen,
spitzbübischen ein wachsames Auge zu werfen.
 



Mein Freund - der Kettenhund


 Er hat gleich hinter unserer Urlaubsbehausung sein Revier - angehängt mit
einer nicht ganz zwei Meter langen Kette an einem Olivenbaum. Er hat den
Job, das Hühnergehege unseres Vermieters Tag und Nacht zu bewachen. Sein
Platz ist ein kreisrunder Fleck purer Erde mit einer ausgegrabenen
Liegesenke, dekoriert mit einem schmutzigen und gesprungenen Wassereimer aus
Plastik. Immer, wenn sich etwas Ungewöhnliches tut, springt der Aufpasser in
die Kette und bellt. Das ist sein besch.... Leben.

Ich habe ihn oft besucht, mit ihm ein bisserl Deutsch geschwätzt, ihn
gestreichelt und schnell seine Sympathie gewonnen. Dass wichtigste für ihn,
er bekam zehn Tage lang eine Spezial-Luxus-Zusatz-Verpflegung mit unseren
Speiseresten, mit Dosenfutter (bekommt man in großer Auswahl in jedem
Supermarkt) und sauberem Frischwasser. Er hatte immer einen Heißhunger und
der Teller war schon leer, bevor er den Boden berührte.

Ich weiß, was ich gemacht habe, ist nicht richtig! Aber was soll's? Mein
Freund hat ein paar ungewöhnliche Tage gehabt und mir gezeigt, dass er mich
mochte. Und ich habe mich zumindest mit der Tatsache trösten können, dass er
als quasi "Haustier" wenigstens nicht permanent ums Überleben kämpfen muss.

 



MAHNMAL
Die Geschichte von Lea


Ich weiß nicht mehr viel von dem Ort, wo ich geboren bin.
Es war eng und dunkel und nie spielte ein Mensch mit uns.
Ich erinnere mich noch an Mama und ihr weiches Fell,
aber sie war oft krank und sehr dünn.
Sie hatte nur wenig Milch für mich und meine Brüder und Schwestern.
Die meisten von ihnen waren plötzlich gestorben.

Als sie mich meiner Mutter wegnahmen,
hatte ich furchtbare Angst und war so traurig.
Meine Milchzähne waren kaum durchgestoßen
und ich hätte meine Mama doch noch so sehr gebraucht.
Arme Mama, es ging ihr so schlecht.
Die Menschen sagten, dass sie jetzt endlich Geld wollten
und dass das Geschrei meiner Schwester und mir, ihnen auf die Nerven ginge.

So wurden wir eines Tages in eine Kiste verladen und fortgebracht.
Wir kuschelten uns aneinander und fühlten wie wir beide zitterten ohnmächtig
vor Angst.
Niemand kam, um uns zu trösten.
All diese seltsamen Geräusche und erst noch die Gerüche,
wir sind in einem "Petshop", einem Laden, wo es viele verschiedene Tiere
gibt.
Einige miauen, andere piepsen, einige pfeifen.
Wir hören auch das Wimmern von anderen Welpen.
Meine Schwester und ich drücken uns eng zusammen in dem kleinen Käfig.
Manchmal packt uns jemand und hebt uns hoch um uns zu begutachten.
Einige sind freundlich und streicheln uns, andere sind grob und tun uns weh.
Oft hören wir sagen "oh, sind die süß, ich will eines",
aber dann gehen die Leute wieder fort.

Letzte Nacht ist meine Schwester gestorben.
ich habe meinen Kopf an ihr weiches Fell gelegt und gespürt,
wie das Leben aus dem dünnen Körper gewichen ist.
Ich soll verbilligt abgegeben werden, damit ich bald wegkomme.
Niemand beachtet mein leises Weinen, als meine kleine Schwester weggeworfen
wird.


Heute ist eine Familie gekommen und hat mich gekauft!
Jetzt wird alles gut. Es sind sehr nette Leute,
die sich tatsächlich für mich entschieden haben.
Sie haben gutes Futter und einen schönen Napf dabei
und das kleine Mädchen trägt mich ganz zärtlich auf den Armen.
Ihr Vater und ihre Mutter sagen, ich sei ein ganz süßes und braves Hundchen.


Ich heiße jetzt Lea.

Ich darf meine neue Familie auch abschlabbern, das ist wunderbar.
Sie lehren mich freundlich, was ich tun darf und was nicht,
passen gut auf mich auf, geben mir herrliches Essen und viel, viel Liebe.
Nichts will ich mehr, als diesen wunderbaren Menschen gefallen und es gibt
nichts Schöneres als mit dem kleinen Mädchen herumzutollen und zu spielen.

Erster Besuch beim Tierarzt.
Es war ein seltsamer Ort, mir schauderte. Ich bekam einige Spritzen.
Meine beste Freundin, das kleine Mädchen, hielt mich sanft
und sagte es wäre o.k., dann entspannte ich mich.
Der Tierarzt schien meinen geliebten Menschen traurige Worte zu sagen,
sie sahen ganz bestürzt aus. Ich hörte etwas von schweren Mängeln
und von Dysplasie E und von Herz zwei. Er sprach von wilden Zuchten
und dass meine Eltern nie gesundheitlich getestet worden seien.
Ich habe nichts von alledem begriffen,
aber es war furchtbar, meine Familie so traurig zu sehen.

Jetzt bin ich sechs Monate alt.
Meine gleichaltrigen Artgenossen sind wild und stark,
aber mir tut jede Bewegung weh. Die Schmerzen gehen nie weg.
Außerdem kriege ich gleich Atemnot,
wenn ich nur ein wenig mit dem kleinen Mädchen spielen will.
Ich möchte so gerne ein kräftiger Hund sein, aber ich schaffe es einfach
nicht.
Vater und Mutter sprechen über mich.
Es bricht mir das Herz, alle so traurig zu sehen.

In der Zwischenzeit war ich oft beim Tierarzt und immer hieß es
"genetisch" und "man kann nichts machen".
Ich möchte draußen in der warmen Sonne mit meiner Familie spielen,
möchte rennen und hüpfen. Es geht nicht.
Letzte Nacht war es schlimmer als eh und je.
Ich konnte nicht einmal mehr aufstehen um zu trinken
nur noch schreien vor Schmerzen.

Sie tragen mich ins Auto. Alle weinen. Sie sind so seltsam, was ist los?
War ich böse? Sind sie am Ende böse auf mich?
Nein, nein, sie liebkosen mich ja so zärtlich.
Ach, wenn nur diese Schmerzen aufhörten!
Ich kann nicht einmal die Tränen vom Gesicht des kleinen Mädchen ablecken,
aber wenigstens erreiche ich ihre Hand.

Der Tisch beim Tierarzt ist kalt. Ich habe Angst.
Die Menschen weinen in mein Fell, ich fühle, wie sehr sie mich lieben.
Mit Mühe schaffe ich es, ihre Hand zu lecken.
Der Tierarzt nimmt sich heute viel Zeit und ist sehr freundlich
und ich empfinde etwas weniger Schmerzen. Das kleine Mädchen hält mich ganz
sanft,
ein kleiner Stich ...... Gott sei Dank, der Schmerz geht zurück.
Ich fühle tiefen Frieden und Dankbarkeit.

Ein Traum:
Ich sehe meine Mama, meine Brüder und Schwestern auf einer großen grünen
Wiese.
Sie rufen mir zu, dass es dort keine Schmerzen gibt, nur Frieden und Glück.
So sage ich meiner Menschenfamilie "Auf Wiedersehen" auf die einzig mir
mögliche Weise:
Mit einem sanften Wedeln und einem kleinen Schnuffeln.

Viele glückliche Jahre wollte ich mit euch verbringen, es sollte nicht sein.
Statt dessen habe ich euch so viel Kummer gemacht.
Es tut mir leid, ich war halt nur eine Händlerware.

Lea


Der Ferienkater als Souvenir


Die Erinnerungen an einen schönen Urlaub verblassen wesentlich langsamer,
wenn man auf Fotografien oder ein Souvenir zurückgreifen kann. Ist das
Urlaubsmitbringsel allerdings von ganz besonderer Art, werden die Erlebnisse
unvergesslich. Diese Erfahrung machte die l5jährige Kerstin aus der
pfälzischen Gemeinde Birkenheide. Sie, und ihre Familie, hatten das Glück zu
erleben, wie ein bayerischer Kater in die Pfalz kam.

Die Herbstferien verbrachte Kerstin mit den Eltern und ihren zwei jüngeren
Geschwister zum ersten Mal im Bayerischen Wald. Die Hündin "Lisa" war
selbstverständlich mit von der Partie, denn sie war, und ist noch immer, ein
festes Mitglied der Familie. Man hatte sich für die Urlaubszeit auf einem
Bauernhof eingemietet. Auf der Fahrt nach Bayern dachte das Mädchen daran,
wie langweilig der Aufenthalt für sie werden könnte. Ohne ihre Freunde
stellte sich Kerstin die Ferien richtig fad vor. Doch sie hatte sich
gründlich getäuscht.

Auf einem richtigen Bauernhof gibt es allerhand zu sehen und zu erleben. Die
großen und kleinen Tiere, die im Urlaubsdomizil der Familie ihr Zuhause
hatten, sorgten für viel Abwechslung. Die Kinder brauchten einige Zeit, um
sich auf die fremde Lebensart und die mannigfaltigen neuen Eindrücke
einzustellen, die ihnen die ländliche Umgebung bot. Da war zum Beispiel der
Kuhstall, in dem es sehr streng roch. Doch um die großen Kühe streicheln zu
können, mussten man sich daran gewöhnen. Hier entdeckten Kerstin und ihre
Geschwister eine ziemlich dicke Katze, die sie danach oft um das Haus
schleichen sahen. Immer, wenn die Kinder versuchten sich der Katze zu
nähern, verschwand sie in der Scheune. Warum das Tier diese Scheu an den Tag
legte, erfuhren die Urlaubsgäste erst einige Zeit später.

Beim Melken der Kühe waren die Kinder mit im Stall und sahen interessiert
zu, wenn die Bäuerin ihnen zeigte, wie man diese Tätigkeit in traditioneller
Handarbeit erledigt. Es gab auch eine Melkmaschine, die für das normale
Tagwerk gebraucht wurde. Jedes Mal, wenn die Arbeit getan war, stellte die
Bäuerin eine Schale mit frischer Milch auf den Hof. Die dicke Katze kam und
leckte davon, bis ihre Barthaare voll von kleinen weißen Tropfen waren.
Einmal rief Patrik aufgeregt: "Seht mal da hin!" Die Schwestern schauten in
die Richtung, die der jüngerer Bruder ihnen mit dem Finger deutete. Winzig
kleine Katzenkinder kamen unbeholfen aus dem Tor gewackelt und gesellten
sich zu ihrer Mutter an den Milchtrog. Jetzt wussten die Kinder, wieso die
dicke Katze immer ängstlich in die Scheune gelaufen war: Sie wollte nur ihre
Jungen vor den Fremden auf dem Hof beschützen.

Der Bauer gab jedem der Kinder ein Kätzchen auf den Arm und sie streichelten
die Fellknäuel ausgiebig. "Dürfen wir eins behalten?" fragte Kerstins
jüngere Schwester Jasmin. Der Bauer lächelte: "Da müsst ihr erst eure Eltern
fragen." Das taten die Kinder dann auch.

Die Mutter war von dem Vorhaben nicht gerade begeistert und der Vater gab
ein klares "Nein" als Antwort. Traurig gingen die Kinder in den Hof und
sprachen über die erteilte Absage. Doch so schnell wollten sie nicht
aufgeben, deshalb wurde ein Plan geschmiedet. Die Eltern mussten eines der
Kätzchen ständig in ihrer Nähe haben, vielleicht würden sie es lieb gewinnen
und ihre Meinung ändern. Wann immer sich die Möglichkeit ergab, wurde ein
Katzenkind in die Ferienwohnung getragen, um es dort herumtollen zu lassen.
Die Hündin Lisa war erfreut über die kleinen Spielkameraden. Sie vertrugen
sich vom ersten Augenblick an mit den Kätzchen. So vergingen die Tage und
die drei Kinder waren schon sehr siegessicher. Doch dann hörten sie ein
lautes Schimpfen. Sie liefen in das Zimmer, aus dem das Gezeter kam, und
sahen ihre Mutter, die mit dem Zeigefinger auf den Boden deutete. Als die
Kinder neben ihr standen, konnten sie den Grund der Aufregung erkennen. Eine
Hinterlassenschaft des Kätzchens lag auf dem Teppich. Dieses kleine Häufchen
sollte wohl das Ende der Verschwörung sein, die Kerstin und ihre Geschwister
angezettelt hatten. Seltsam erschien den Kindern nur, dass die Mutter
lächelnd das Zimmer verließ, während Kerstin das "Übel" vom Boden entfernte.

 


Katzenhafen


"Mann! Sieh dir das an!" Dieter zeigte durch die Frontscheibe des Hausbootes
nach vorne. "Wie eine verlassene Goldgräbersiedlung im Wilden Westen!"
Steini tippte auf die Landkarte: "Das soll der Hafen von Le Vieux Moulin
sein." Er verzog das Gesicht. "Nicht sehr einladend, aber wir müssen wohl
oder übel hier übernachten. So ist es nun mal geplant. Durch den Tunnel
können wir nicht mehr fahren. Zwischen dem Tunnelausgang und dem
Schiffshebewerk von Arzviller darf man nirgends am Ufer festmachen und das
Schiffshebewerk wollen wir ja im Hellen durchfahren - ganz zu schweigen von
der Radtour morgen." Der Hafen bestand aus einer betonierten hundert Meter langen
Schiffsanlegestelle mit rostzerfressenen Pollern und zwei leerstehenden
Gebäuden mit eingeworfenen Fensterscheiben. "Nur gut, dass wir in der letzten Schleuse den Wassertank gefüllt haben",brummte Dieter. teini schmiss das Kartenbuch in die Ecke: "Scheißdreck! Einem so was aufdie Hausboottour mitzugeben! Nichts stimmt! Laut Karte hätte es hier eineBäckerei geben müssen." "Vielleicht dort hinten." Dieter zeigte auf eine kleine Ansiedlung ein wenigabseits des Kanals, die aus sechs oder sieben Häusern bestand. "Wenn nicht,
kaufen wir unsere Wegzehrung morgen im nächsten Dorf. Ich leg jetzt an."
Steini verließ die Kabine und machte die Seile bereit, mit denen sie das
Hausboot festmachen würden.
Es war Ende September und sie hatten das Hausboot für eine Woche in
Mittersheim gemietet. Sie waren den Saar-Kohlen-Kanal herunter nach Süden
gefahren und in den nach Osten führenden Teil des Rhein-Marne-Kanals
eingebogen. Der Hafen von Le Vieux Moulin lag direkt vor dem Schiffstunnel
durch die Vogesen. Dahinter kam das Schiffshebewerk von Arzviller, wo
Schiffe in einem wassergefüllten Trog vierzig Meter in die Tiefe gefahren
wurden. Unten im Tal der Zorn führte der Kanal weiter.
Es dämmerte bereits. Diese Attraktion wollten Dieter Kohl und Stefan
Steinmetz aber bei hellem Tage durchfahren. Zudem war für den nächsten Tag
eine Mountainbiketour durch die Vogesen geplant. So legten sie für die Nacht
in Le Vieux Moulin an, auch wenn der heruntergekommene Hafen vor der
Tunneleinfahrt nicht sehr einladend aussah.
Das erste was sie sahen waren die Katzen. Der Hafen wimmelte von ihnen.
Graue Katzen, schwarze Katzen, braune Katzen, gefleckte Katzen, getigerte
Katzen. "Ist hier irgendwo ein Nest?" witzelte Steini lachend. "Whow! Guck dir die
ganzen Katzenviecher an! Das müssen Dutzende sein!" Er bückte sich und
lockte: "Miez! Miez! Miez!" Sofort kamen mehrere Tiere zu ihm und ließen sich streicheln. Schnurrend undmit hochgereckten Schwänzen umstrichen sie die Beine des Mannes und
drängelten durcheinander, um gestreichelt zu werden.
Dieter lachte lauthals los. "Du bist ja schwer beliebt bei den Miezen!" Kaum
hatte er das gesagt, umringten ihn gleich fünf Katzen. "Miauuu!" maunzten
sie. Wo die bloß alle herkommen?" überlegte Steini laut. Er machte eine
weitausholende Handbewegung: "Hier ist doch nichts! Die können unmöglich
alle aus dem kleinen Weiler da hinten stammen!" Er begann die Tiere zu
zählen. Bei fünfzig gab er auf. "Na lass uns mal was grillen." Er holte den
tragbaren Grill aus dem Hausboot, stellte ihn auf die Wiese am Ufer und
machte sich mit Holzkohle und Anzündewürfeln zu schaffen.
Dieter spielte Smutje und richtete vier saftige Putenschnitzel her. Als er
sie fertig gewürzt hatte, glühte die Holzkohle im Grill und Steini hatte
zwei Klappstühle und einen Tisch ans Ufer geholt. "Bring noch zwei Bier
mit!" rief er Dieter zu.
Bald saßen sie gemütlich bei Bier auf der Wiese und bruzzelten die
Putenschnitzel. Maunzend strichen die Katzen um sie herum.
Steini grinste listig: "Ich weiß, was die vielen Katzen hier machen! Da
hinten in den Häusern wohnt einer, der Hasen züchtet - Dachhasen!" Sie
lachten vergnügt.
Im Zweiten Weltkrieg hatten die Menschen in ihrer Not Katzen gegessen. Wenn
kein Kopf dran war, konnte man eine abgezogene Katze kaum von einem
Stallhasen unterscheiden.
Die zweite Portion Schnitzel war gar und sie mampften sie mit gutem
französischen Weißbrot. Zwischendurch schnippelten sie winzige
Fleischstückchen ab und warfen sie den Katzen zu. Hungrig fielen die Tiere
darüber her. Dieter holte zwei kleine Dosen vom Boot. "Kommt her, ihr Hungerleider!" Er
öffnete die Thunfischdosen und verteilte den Inhalt am Boden. Die Katzen
machten sich darüber her. Die leere Dosen brachte er zum Boot. "Sieht nicht
so aus, als gäbs hier einen Mülleimer."
"Hier gibt's überhaupt nix!" brummte Steini. Er holte neues Bier. "Außer
massenhaft Katzen!" setzte er nach. "Sehr anhängliche Katzen!" Er
streichelte die maunzenden und schnurrenden Tiere. "Die suchen Familienanschluss", frotzelte Dieter. Steini wurde ernst. "Stimmt! Die wollen in eine Familie aufgenommen werden.
Ich sag dir was: Die sind hier ausgesetzt worden. Allesamt!"
"Meinst du?" Dieter schaute ungläubig.
"Wo kommen die sonst her? Sind alles ausgesetzte Schiffskatzen." Er hob den
Kopf: "Da kommt wer!" Motorengeräusch näherte sich.
Ein Boot lief in den alten Hafen ein. Es war ein Privatboot, keins von den
Miethausbooten wie Dieter und Steini eins benutzten. Am Heck des Boots
flatterte die deutsche Flagge. Es fuhr bis kurz vor den Tunneleingang und
machte dort fest. "Die wollen unter sich sein", meinte Dieter. "Sonst würden
die nicht hundert Meter Abstand halten."
Steini zuckte die Achseln: "Lass sie doch. Mir wurscht! Die kriegen schon
Gesellschaft, ob sie wollen oder nicht." Lachend zeigte er auf einen Pulk
Katzen, die auf das neu angekommene Boot zuliefen.
Ein großgewachsener Mann mit Bart und eine kleine, zierliche Frau mit
dunklen Haaren machten das Boot fest. Zwei Kinder hopsten an Land; ein Junge
und ein Mädchen. Sie streichelten die zahllosen Katzen. Der Junge war nicht
älter als sechs, das Mädchen mochte elf oder zwölf Jahre alt sein.
Steini und Dieter klappten die Stühle zusammen und brachten sie an Bord. Es
wurde dunkel und sie beschlossen, ins Innere des Hausboots umzuziehen. In
der Dämmerung waren zu viele stechwütige Schnaken unterwegs und die
aufdringlichen Katzen begannen zu nerven. Steini ging noch schnell mit seinem Fotoapparat quer über ein StückchenWiese, um ihr Hausboot im violetten Dämmerlicht zu fotografieren. Er stellte
sich auf einen großen Sandsteinquader, der mitten auf der Wiese lag und
knipste. "Werden bestimmt gute Bilder", murmelte er vor sich hin und sprang von dem
Stein. Beinahe wäre er auf einer Katze gelandet. "Och passt doch auf, ihr
Viecher!" grummelte der Mann aufgebracht. Sieben Katzen schnurrten um ihn
herum. Steini kam eine Idee: "Na wartet! Jetzt mach ich mit dem Selbstauslöser eine
Aufnahme: Steini der Katzendompteur bei Sonnenuntergang." Er stellte die
Kamera auf den Steinblock und betätigte den Selbstauslöser. Rasch rannte er
einige Meter weit weg und setzte sich ins Gras.
"Komm, Miez! Miez! Miez!" lockte er drängend. Die Katzen kamen zu ihm
gerannt. Er nahm gleich vier von ihnen in die Arme und schaute lachend in
die Kamera, bis sie automatisch auslöste. Steini stand auf: "So ihr Katzen. Das wars. Wird bestimmt ein hübschesFoto." Er ging zu dem Sandsteinblock, auf dem seine Kamera stand. Erst jetztfiel ihm eine kaum leserliche Schrift auf der Vorderseite des Sandsteins
auf. Er bückte sich, um die Inschrift zu entziffern. Die Buchstaben sahen
aus, als hätte sie jemand in aller Eile geschrieben:
"HÜTET EUCH VOR DIESEM ORT! GEHT SCHNELL WEG! DIES IST DIE ANDERE SEITE DER
WELT VON DER ES KEINE RÜCKKEHR GIBT! KINDER, WEICHT EUREN ELTERN NICHT VON
DER SEITE! EUCH DROHT . . .


An dieser Stelle hörten die roten, ausgebleichten Buchstaben auf. Vor dem
Steinblock lag ein Stückchen Dachziegel. Das hatte wohl dem Schreiber als
Kreideersatz gedient. Neben dem Stein lagen die Überreste von Klamotten im
Gras. Steini erkannte eine Jeanshose und ein T-Shirt, das vielleicht einmal
blau gewesen war. Jetzt erkannte man die Kleider kaum noch. Sie waren in
völliger Auflösung begriffen. "Das Zeug liegt schon ewig hier", dachte er. "Das andere Ende der Welt...hier siehts wirklich aus wie auf der anderen Seite der Welt!" Plötzlich
gefiel ihm der Platz nicht mehr. Er schnappte sich seinen Fotoapparat und
lief mit raschen Schritten zum Hausboot zurück.
Als Steini später noch einmal hinausging, um nachzusehen, ob der Grill
heruntergebrannt war, standen die beiden Kinder am Ufer. Das Mädchen trug
seine langen braunen Haare mit einem Seitenscheitel. Der Junge hatte einen
kurzen Meckischnitt. Beide hatten blaue Augen. Über dem linken Auge hatte
der Junge eine vier Zentimeter lange Narbe. Sie begann am äußeren Ende der
Augenbraue und stieg in schrägem Winkel nach oben zur Stirnmitte auf, was
dem Jungen ein seltsam melancholisches Aussehen gab.
"Bonjour", grüßte das Mädchen höflich.
"Guten Abend", erwiderte Steini lächelnd. "Ihr seid doch Deutsche, oder? Hab
die Flagge an eurem Ferienfrachter gesehen."
"Ferienfrachter!" Der Junge lachte.
"Fahren Sie nach Norden?" fragte das Mädchen.
"Nee, Osten. Bis Saverne. Wir wollen das Schiffshebewerk benutzen. Aber erst
übermorgen. Morgen machen wir eine Radtour in die Berge."
"Wir fahren nach Südfrankreich", erzählte der Junge. "Die ganzen Ferien
lang. Mein Papa hat eine Firma: Britz-Blitz-Service."
Steini kannte BBS - ein Paket- und Kurierschnelldienst, der in ganz
Süddeutschland Filialen unterhielt. Kein Wunder, dass die sich so eine
große, teure Jacht leisten konnten. "Na dann wünsch ich euch viel Spaß auf
eurer Tour", sagte er freundlich. "Bleibt bitte von dem Grill weg, ja? Der
ist noch heiß." Das Mädchen nickte: "Machen wir." Sie schaute ihn an. Er sah, dass sie noch
etwas auf dem Herzen hatte. "War noch was?" "Die Katzen", sagte sie und zeigte auf das Rudel, das maunzend um ihre Beine strich. "Wissen Sie, woher die alle sind?"
"Jo, hier ist echt alles voll mit Katzen", sprach der Junge. "Ich würde mir
gerne eine oder zwei mitnehmen, aber Papa und Mama haben es verboten." Er
zog einen Flunsch, was im Verein mit der Narbe über seinem Auge lustig
aussah. "Davon gibt's hier echt eine ganze Menge", sagte Steini. "Wisst ihr was?" Er
grinste verschwörerisch. Die zwei Kinder schauten ihn neugierig an. "Das
sind ausgesetzte Schiffskatzen. Alle Schiffe, die in Le Vieux Moulin vorbei
kommen, setzen ihre überflüssigen Katzen hier aus." Steini tat, als
schauderte ihn: "Und nachts kommen sie zu Hunderten. Sie dringen in die
Boote ein und fressen die Passagiere auf. Buuuh!"
"Ehrlich?" Der kleine Junge gaffte hingerissen.
Seine große Schwester lachte. "Der Mann denkt sich das nur aus, Florian",
sagte sie. "Von wegen!" sagte Steini und tat beleidigt. "Seht euch doch die Häuser da
an! Alle Scheiben eingeschlagen und weit und breit ist keine Menschenseele
zu sehen. Die Katzen haben alle aufgefressen!"
"Stimmt das Nadja?" fragte der Junge alarmiert.
"Nein Flori! Wenn es nämlich tatsächlich so wäre, würde der Mann nicht über
Nacht mit seinem Boot in diesem Hafen bleiben. Er hat dir einen Bären
aufgebunden." Steini lachte. "Du bist auf Zack, kleines Fräulein. Das muss man dir lassen!
Gute Nacht, ihr beiden." Lachend verschwand er im Innern des Hausboots.
Nadja und Florian stromerten noch eine Weile im Hafen herum und streichelten
Katzen. "Sind das viele!" sagte Florian. "Zu schade, dass ich keine mitnehmen darf."
Er blickte zu seiner Schwester auf. "Mama und Papa sind sowieso komisch,
seit wir fortgefahren sind. Hast du es auch gemerkt?"
"Vielleicht hatten sie in letzter Zeit viel Stress mit der Firma", wiegelte
Nadja ab. Es war ihr ebenfalls aufgefallen, dass eine seltsame Spannung in
der Luft lag. Ihre Eltern schienen sich über irgendetwas Sorgen zu machen.
Seit Wochen spürte Nadja, dass etwas nicht in Ordnung war. Zuerst hatte sie
befürchtet, dass ihre Eltern sich scheiden lassen wollten. Aber sie gingen
ganz normal miteinander um wie sonst auch. Doch irgendwas stimmte nicht!
Florian hatte es ebenfalls bemerkt. Sonst war die sommerliche Tour mit dem Familienboot immer herrlich gewesen.Doch dieses Jahr schien ein drückender Schatten auf dem Urlaub zu lasten.
Florian zupfte sie am Pulli: "Ich habe gehört, wie Papa zu Mama gesagt hat:
Wir fahren durch bis an die französische Küste und machen uns dünn. Was
bedeutet das?" "Wahrscheinlich hast du dich verhört", meinte Nadja. Sie konnte sich nicht
vorstellen, dass ihr Vater so etwas gesagt hatte.
Ihre Mutter rief nach ihnen: "Florian! Nadja! Kommt ins Boot! Es gibt
Abendessen!" Florian bückte sich und streichelte die Katzen: "Tschüs bis Morgen", sagte
er und lief seiner Schwester hinterher zum Boot.
"Miauuu!" maunzten die Katzen im Chor. Am nächsten Morgen drückte ihre Mutter ihnen etwas Geld in die Hand undschickte die beiden Geschwister zu der kleinen Ansiedlung, um Brot zu
kaufen. Unterwegs sahen sie, wie die Männer aus dem Hausboot auf ihre
Mountainbikes stiegen und davon fuhren. Sonst lag kein weiteres Boot im
Hafen. Kaum waren Florian und Nadja unterwegs, kamen Dutzende von Katzen angerannt.
Laut maunzend strichen sie den Kindern um die Beine.
"Geht aus dem Weg!" rief Nadja. "Sonst treten wir auf euch drauf." Die
Katzen drängelten sich vor sie. "Man könnte meinen, die wollen uns nicht zur Bäckerei lassen", sagte Florian. In der Tat verstellten die Katzen ihnen ständig den Weg. Dazu
miauten sie jämmerlich. Florian wurde mulmig zumute. Er war erst sechs, aber
er fühlte, dass mit diesen Katzen etwas nicht stimmte. "Geht weg!" bat er
und klammerte sich an die Hand seiner Schwester. "Nadi, ich habe Angst!"
jammerte er. "Die wollen uns nicht zu den Häusern da hinten gehen lassen.
Vielleicht ist dort was Böses!" "Ach was!" schalt ihn Nadja. "Was soll dort schon sein? Komm! Wir sindgleich da!" Sie wollte ihren kleinen Bruder nicht merken lassen, wie
unbehaglich sie sich fühlte. Sie schaute zurück zum Boot ihrer Eltern. Ein
dichtes Gebüsch verdeckte die Sicht darauf. Sie fühlte sich sehr unwohl.
"Komm, Nadja, wir gehen zum Boot zurück" bettelte Florian.
"Geht nicht. Wir müssen Brot kaufen." "Wir sagen, die Bäckerei hat zu. Bitte Nadi!"
Nur zu gerne hätte Nadja der Bitte ihres kleinen Bruders nachgegeben, aber
dazu hätte sie lügen müssen, und lügen wollte sie nicht. "Komm Flori! Da
sind ja schon die ersten Häuser", sagte sie. "Hab keine Angst vor den
Katzen. Die benehmen sich so, weil sie Hunger haben oder weil sie
gestreichelt werden wollen."
Sie gingen weiter. Die sieben Häuser standen leer. Sie sahen genauso heruntergekommen aus wie
die zwei Gebäude direkt am Hafen. "Brot kriegen wir hier jedenfalls keins!" bemerkte Florian altklug. Die Katzen miauten laut und umkreisten die beiden Kinder. Die Tiere wirkten
aufgeregt. Nadjas Herz pochte wild. Sie nahm Florian an die Hand: "Gehen
wir!" Sie zog ihn fort. Sie wollte weg von diesen heruntergekommenen
Häuserruinen, weg von den aufdringlichen Katzen. Sie bekam Angst. Große
Angst. "Schneller!" befahl sie und begann zu laufen. Sie bogen um das Gebüsch.
Florian stieß einen spitzen Schrei aus. "Wo sind sie?"
Der Hafen war leer. "Nadja! Wo sind Mama und Papa? Wieso sind sie weggefahren?" Florian begannzu weinen. Nadja schaute sich fassungslos um. Konnte das ein Scherz sein? Würden ihre
Eltern sich einen solch grausamen Scherz mit ihren Kindern erlauben? Sie
blickte nach Westen, von wo sie gestern gekommen waren. Dort war ihr Boot
nicht zu sehen. "Dann können sie nur in den Tunnel gefahren sein!" dachte
sie. Entsetzen packte sie. Das konnte nicht wahr sein! Es durfte einfach
nicht wahr sein! Mindestens sechzig Katzen liefen laut miauend um sie herum.
"Sie haben uns zurückgelassen!" schrie Florian mit schriller Stimme. "Uns
allein gelassen!" Nadjas Gedanken überschlugen sich. Das seltsame Verhalten der Eltern fiel
ihr ein, die drückende Spannung, die auf der Familie Britz gelegen hatte.
Was hatte Florian noch mal gehört? Wie der Vater zur Mutter sagte, sie
würden zur französischen Küste fahren und sich dünn machen? Vielleicht wegen
der Firma. Hatten sie pleite gemacht? Dünn machen... Wohin? Afrika? Tunesien
vielleicht? Ohne ihre Kinder?? "Sie haben uns ausgesetzt!" dachte sie entgeistert. Florian klammerte sich schluchzend an sie. "Warum haben Mama und Papa das getan?" heulte er.
"Weil sie euch loswerden wollten" "Was?" Nadja sah sich um. Es war keine Menschenseele zu sehen. "Wer sprichtda?" fragte sie mit zittriger Stimme.
"Wir!" maunzte es von unten zu ihr herauf. "Wir alle sprechen zu euch. Oh,
warum seid ihr nicht umgekehrt, als wir euch den Weg verstellten? Nun ist es
zu spät! Wenn ihr unsere Worte verstehen könnt, hat die Verwandlung schon
eingesetzt." Nadja schlug das Herz bis zum Hals. Was ging hier vor? Katzen konnten doch
nicht sprechen! "Wo sind unsere Eltern?" fragte Florian kläglich.
"Sie sind weggefahren", sprachen die Katzen traurig. "Sie haben euch
ausgesetzt, genau wie unsere Eltern. An diesem Ort werden all die lästigen
und ungeliebten Kinder ausgesetzt, Kinder, die keiner mehr gebrauchen kann.
Man nennt diesen Platz, DAS ANDERE ENDE DER WELT. Dieser Platz ist verflucht
durch die Grausamkeit und Gleichgültigkeit der Eltern. Von überall her
kommen schlechte Eltern hierher, um ihre Kinder loszuwerden. Hier ist das
andere Ende der Welt, die Rückseite, die Unterseite oder wie immer ihr dazu
sagen wollt. Von hier gibt es kein Entkommen. Wir alle waren einmal Kinder."
"Aber ihr seid Katzen!" flüsterte Florian entgeistert.
"Ihr werdet auch zu Katzen", miauten die Tiere. "Eure Verwandlung hat schon
angefangen. Man merkt es daran, dass ihr uns verstehen könnt. Bald seid ihr
wie wir! Dazu verdammt, hier an diesem hässlichen, ausgestorbenen Ort zu
bleiben, am anderen Ende der Welt!
Nur wenn ihr einen guten Menschen findet oder eine Familie, die euch in
eurer Katzengestalt bei sich aufnimmt, verwandelt ihr euch in Menschenkinder
und dürft zurück auf die richtige Seite der Welt. Doch das geschieht fast
nie. Ihr habt keine Chance. Uns will keiner haben. Wir wurden weggeworfen -
auf die andere Seite der Welt."
Jetzt weinte auch Nadja. "Nein! Bitte! Das kann nicht sein! Unsere Eltern
lieben uns doch!"
"Sie haben euch ausgesetzt", kam die bedauernde Antwort.
"Mir tut alles weh!" jammerte Florian.
Auch Nadja spürte die pochenden Schmerzen in allen Knochen.
Florian begann zu schreien. "Nadja! Hilf mir! Es tut so weh!"
Doch Nadja konnte ihrem Bruder nicht helfen. Sie fiel nach vorne und schlug
unsanft auf den harten Boden auf. Ihre Knochen knackten und knirschten.
Alles tat ihr weh. Sie schluchzte und schrie. Neben ihr wand sich Florian
heulend am Boden.
Nach zehn Minuten war alles vorbei. Zwei Haufen leerer Kleider lagen auf dem
Boden neben dem Gebüsch. Zwei junge Katzen krochen daraus hervor.
Am frühen Nachmittag kamen Dieter und Steini von ihrer Radtour zurück.
Unterwegs hatten sie beschlossen, sofort mit dem Hausboot weiter zu fahren,
damit sie nicht unnötig einen ganzen Tag verloren. Vor allem Steini hatte
darauf gedrungen, heute noch abzufahren.
Im Hafen erwartete sie eine Schar Katzen. Maunzend strichen ihnen die Tiere
um die Beine. Rasch verstauten die beiden Freunde ihre Mountainbikes auf dem
Boot und bereiteten die Abfahrt vor. Einige Katzen folgten ihnen aufs Boot.
"Mann! So langsam nerven die Viecher!" grollte Dieter. Er setzte eine Katze
ans Ufer zurück.
Steini half ihm dabei: "Sind die aufdringlich!"
Besonders zwei Katzen setzten alles daran, an Bord zu bleiben. Miauend
wehrten sie sich dagegen, an Land gebracht zu werden.
"Dieter! Los, wirf den Diesel an! Ich stoße uns vom Ufer ab!" rief Steini
und setzte die größere der beiden anhänglichen Katzen erneut ans Ufer
zurück. Er löste die Halteleine und stieß das Hausboot vom Ufer ab. Sofort
sprangen die zwei kleinen Katzen an Bord. "Ich glaub, ich lüge!" fluchte
Steini.
Laut miauend duckten sich die beiden Tiere an seine Beine.
"Nix da, ihr Miezen! Husch, ab ans Ufer!" Er packte die Katzen und warf sie
vorsichtig ans Ufer. Das Hausboot war bereits über einen Meter von der
Hafenmauer entfernt. Der Diesel sprang an.
Steini betrachtete die zwei aufgeregten Katzen. Laut jammernd hockten sie am
Kanalufer. Sie miauten pausenlos. "Unheimlich!" dachte er. "So benehmen sich
doch keine normalen Katzen!" Es sah so aus, als würden die beiden Kätzchen
gotterbärmlich weinen. Weiter links sah er zwei Kleiderhaufen neben einem
großen Gebüsch liegen. Seine Nackenhaare richteten sich auf. Er schaute zu
dem großen Sandsteinblock, der inmitten der Wiese lag. Er erinnerte sich an
die seltsame Aufschrift:
"HÜTET EUCH VOR DIESEM ORT! GEHT SCHNELL WEG! DIES IST DIE ANDERE SEITE DER
WELT VON DER ES KEINE RÜCKKEHR GIBT! KINDER, WEICHT EUREN ELTERN NICHT VON
DER SEITE! EUCH DROHT . . .

"Dieter fahr zu!" rief er drängend. Der Diesel bullerte los. Das Boot nahm
Fahrt auf. Steini warf den beiden Katzen einen letzten Blick zu. Er hatte
nicht gewusst, dass Tiere weinen konnten.
Plötzlich keuchte er entsetzt auf. Die kleinere der zwei Katzen hatte über
dem linken Auge eine deutlich sichtbare Narbe. Laut weinend schauten die
Katzen dem davonfahrenden Hausboot hinterher.
Steini begab sich in die Kabine, wo Dieter am Steuer stand.
"Unheimlich, was?" meinte Dieter. "So was habe ich noch nie erlebt!"
Steini ließ sich schwer in einen Stuhl fallen.
Die andere Seite der Welt . . .
"Auf dem Rückweg", sagte er, "fahren wir in vollem Tempo an diesem Hafen
vorbei mit mindestens zwei Metern Abstand zum Ufer!"
Er war bleich. Ihm war nicht gut. Er fühlte sich schrecklich.
Er musste an zwei weinende Katzenkinder denken, von denen eines eine Narbe
über dem linken Auge hatte.



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Londo - Der Wasserkater


Einige meiner geschätzten Leser können sich vielleicht nicht vorstellen, bei
welcher Gelegenheit eine Katze überhaupt herausfinden könnte, daß sie (oder
er) allen Ernstes GERNE badet. Die meisten Katzen bekommen erst gar keine
Chance, ihre Liebe zum Wasser zu entdecken, weil ihre Menschen fest davon
überzeugt sind, daß wir Wasser hassen! In meinem Fall allerdings hatte
Susan, mein Mensch, gar keine andere Wahl: sie mußte mich baden....
Ich war gerade mal acht Wochen alt und wohnte erst seit drei Tagen bei
Susan. Aus irgendeinem Grund beschloß ich, um die Mittagszeit auf den
Küchentisch zu springen. Dummerweise war mir entgangen, daß da noch eine
Schüssel mit Bratensoße auf dem Tisch stand. Die Soße war zwar zum Glück
nicht mehr heiß, aber noch immer ganz schön fettig.
Zuerst einmal versuchte Susan mein langes Fell sauber zu wischen, aber schon
bald mußte sie sich eingestehen, daß das nicht viel bringen würde. Also
beschloß sie, zu einer drastischeren Methode zu greifen. Sie trug mich ins
Badezimmer, setzte mich in die Wanne und wusch mich mit warmem Wasser und
(Menschen-) Shampoo. Zu ihrer Überraschung wehrte ich mich kein bißchen. Ich
empfand die ganze Prozedur eigentlich als ziemlich angenehm.

Ungefähr zwei Wochen später hatte Susan einen Besucher, der mir auch etwas
mitgebracht hatte: Katzen-Leckerli! Und ich muß leider gestehen, ich LIEBE
Katzen-Leckerli! Das war nun also meine erste Packung "normaler
Katzen-Leckerli" (nicht die speziell für Katzenkinder)! Die Dinger waren mit
Käse gefüllt und schmeckten fantastisch! Leider war mein kleiner Magen an
solche Delikatessen nicht gewöhnt. Am nächsten Morgen war mir schon beim
Aufwachen ganz schlecht. Mein kleiner Bauch schmerzte und schon bald war ich
auf dem Weg zum Katzen-Klo....

Wie Ihr wißt, bin ich ein Perserkater! Also, ich denke, ich muß jetzt nicht
ins Detail gehen - Ihr könnt Euch vermutlich auch so vorstellen, wie ein
Teil meines Fells aussah, als ich wieder aus dem Katzenklo herauskletterte.
Ich versuchte mir den Dreck auf Susans Badewannenvorleger abzuwischen -
leider ohne Erfolg. Als mich Susan in diesem Zustand fand, steckte sie den
Vorleger in diese laute Drehmaschiene, die so interessant anzusehen ist .
Und für mich stand schon wieder ein Bad auf dem Programm. Diesmal wurde ich
noch nasser. Deshalb mußte mich Susan nun auch noch föhnen!




So hatte ich herausgefunden, daß Baden und geföhnt werden auch Spaß machen
kann. Als Susan ihr nächstes Bad nahm, beschloß ich ihr "Gesellschaft zu
leisten". Wie sich herausstellte, machen Sprudelbäder noch mehr Spaß als
normale Bäder! Wenn Susan aus der Wanne steigt, bleibe ich noch im Wasser
und warte, bis sie mich heraushebt, in ein Badetuch wickelt und föhnt.




Übrigens, viele Leute glauben, ich wäre ein ziemlich großer, schwerer Kater.
Aber alle, die mich schon mal naß gesehen haben, wissen daß ich tatsächlich
eher schmächtig bin - mindestens 50% Haare, schätze ich!

Tja, ob Ihr's glaubt oder nicht, ich beschränke meine Extravaganzen nicht
darauf, zu Hause zu baden! Ich reise viel. Tatsächlich teile ich meine Zeit
zwischen Susan, ihrer Mutter und ihrer Tante.




Wie gesagt, Autos (oder Motorräder) machen mir überhaupt keine Angst. Eines
Tages habe ich mit Susan eine ihrer anderen Tanten besucht . Die wohnt
zufällig direkt an einem Fluß. Susan und die anderen sind schwimmen
gegangen. Also habe ich beschlossen, das auch auszuprobieren.




Bei meinem zweiten Schwimmversuch hatte Susans Vater eins von diesen
Bildmache-Dingern dabei und hat mich aufgenommen, um zu beweisen, was für
ein hervorragender Schwimmer ich bin.




Also mal ehrlich, bei meinem ersten "Schwumm" war mir noch nicht klar, daß
man als Katze mit allen vier Pfoten rudern kann! Stattdessen benutzte ich
nur zwei. Außerdem habe ich meine beiden Vorderpfoten bei jedem Zug aus dem
Wasser gehoben, um sie dann wieder auf die Oberfläche klatschen zu lassen.
Deshalb lief mir schon bald eine Menge Wasser über's Gesicht. Aber keine
Angst - als ich am nachmittag des selben Tages wieder ins Wasser ging, hatte
sich meine Technik schon enorm verbessert!

 

 

Genau wie bei der Badewanne, verließ ich das Wasser auch beim Schwimmen
nicht von selbst, sondern ging nur ans Ufer des Flusses und wartete dann,
bis ich Susans Tante herausgehoben wurde.